"Wer weiß schon, ob morgen die Sonne scheint"

Erzählungen aus dem Betreuungsalltag von Marina Lechelt

Zum Buch
Fachbücher können eine Möglichkeit sein, sich über das Betreuungsrecht zu informieren. In diesem Buch jedoch berichten Menschen über ihren Betreuungsalltag in Erzählungen oder Interviews. Und plötzlich wird ein Gesetz fühlbar!
In ganz typischen Situationen zeigt die Autorin auf, was rechtliche Betreuung bedeutet, sowohl von der Seite des Betreuten, als auch von der Seite, die sich sorgt. Das Ergebnis: Außergewöhnliche Ein-und Ausblicke auf unser aller Leben. Und eine Entscheidungshilfe!
Unterhaltsam soll es sein, wenn über so ernste Dinge wie Betreuung und Amtsgericht informiert wird? Vielleicht sogar auch noch spannend, wenn jemand von einer Verfahrenspflegschaft erzählt? Doch, das ist möglich!
In dem Bändchen erzählen Menschen, die beruflich im Betreuungsrecht engagiert sind, über ihre ganz alltägliche Arbeit - die Begegnung von Menschen in anrührenden, humorigen und problematischen Situationen. Ganz so, wie das Leben ist, und das ist: traurig, spannend, lustig und besinnlich.

 

Zur Autorin
Marina Lechelt studierte an der Pädagogischen Hochschule Kiel die Fächer Deutsch, Religion und Philosophie für das Lehramt an Realschulen. Seit 1996 arbeitet sie als Vereinsbetreuerin beim Betreuungsverein Stormarn.

 

Herausgeber: Betreuungsverein Stormarn e.V.

Erhältlich beim Betreuungsverein Stormarn oder in der Buchhandlung
ISBN 3-8311-4948-8 zum Preis von 8 EUR     
oder einfach per Email bestellen
Email: betreuungsverein@btv-od.de

 

Leseproben

Textprobe I
Das Telefon klingelt. Friedrich Meisterknecht, Peter Neustadts Nachbar, war dran. Peter war der junge Mann, den ich regelmäßig zur Bank begleite, und der sich gerne als König verkleidete. "Peter geht es nicht gut!", sagte sein Nachbar. "Er läuft gerade durch die Siedlung!"
Ich  zahlte langsam bis zehn. "Herr Meisterknecht!" Ich fühlte mein Herz rasen. "Das ist nun wirklich kein Grund, hier anzurufen! Ich bin  nicht sein Kindermädchen!" "Ich mein' es ja nur gut!" "Dass er durch die Siedlung lauft - ich bitte Sie, das ist doch normal!" "Das schon ..." "Na  also,  bitte  keine weiteren Anrufe, wenn   mein   Klient   einmal   durch   die Siedlung läuft!" "Hören Sie mal zu!" "Nein, jetzt reicht es. Schluss." "Er ist nackt." "Wie bitte?" "Er läuft nackt durch die Siedlung."
"Oha, ich bin sofort da!"
 
Textprobe II
Und nun? Da stand ich mit dem Gerichtsbeschluss in der Hand. Und diskutierte mit ihr über das Waschen und Gewaschenwerden. "Ihr Erscheinungsbild ist etwas verschmutzt." Vorsichtig tastete ich mich an eine unverfängliche Umschreibung heran. "Na und?", sagte sie. "In der Sozialstation gibt es ein separates Badezimmer." "Ist mir egal." "Sie wären dann sauber." "Was hab ich davon?" "Es riecht nicht so." "Was interessiert mich Ihre Nase!" Ich fühlte, wie sich meine Augen zu kleinen Sehschlitzen verengten.  Ich trat etwas näher an sie heran, in ihren Dunstkreis absoluter Körperlichkeit. "Frau Merz, ich  verwalte doch Ihre Finanzen, Ihr Guthaben. Wie wollten wir eigentlich mit Ihrem Bargeld umgehen?" Ich sagte es leise, und im Stillen fügte ich hinzu: Und, wer ist jetzt das Ferkel?